Der österreichische St. Georgs-Orden

wurde durch Kaiser Friedrich III. und Papst Paul II. am 1. Januar 1469 in der Lateranbasilika zu Rom durch die Investitur des 1. Hochmeisters Johann Siebenhirter gegründet. Aufgabe des Ordens sollte der Kampf gegen die Türken sein, welche die habsburgischen Erbländer Kärnten, Krain und Steiermark bedrohten. Hauptsitz wurde das ehemalige Benediktinerkloster Millstatt, zweiter Hauptsitz war Wiener Neustadt. Besonderer Förderer des Ordens war Kaiser Maximilian I. Nach dessen Tod verlor der Orden rasch an Bedeutung, bis im Jahre 1598 seine Besitzungen dem Jesuitenkolleg Graz übergeben wurden.

Gründung und Blütezeit des Ordens:

Während der Belagerung Kaiser Friedrichs III. im Jahre 1462 in der Burg zu Wien durch seinen Bruder Albrecht VI. und die Bürger der Stadt legte der Kaiser ein dreifaches Gelöbnis ab: Nach seiner Errettung wolle er eine Pilgerfahrt nach Rom machen, ein Bistum und einen Ritterorden zu Ehren des hl. Georg gründen. Im November 1468 brach Friedrich III. zur Pilgerreise nach Rom auf, am 1. Januar 1469 kam es zur Investitur des 1. Hochmeisters Johann Siebenhirter in der Lateranbasilika durch den Kaiser und Papst Paul II. und am 18. Januar wurden vom Papst die beiden Bistümer Wien und Wiener Neustadt errichtet; beide wiesen nur ein kleines Territorium auf. Das Bistum Wiener Neustadt wurde 1479 dem St. Georgs-Ritterorden inkorporiert, aber aufgrund ständiger Streitigkeiten zwischen dem Orden und dem Bischof, vor allem um die Präzedenz, wurde schließlich 1528 diese Union definitiv beendet. Am 14. Mai 1469 wurde dem neuen Hochmeister und den Mitgliedern des Ordens von den letzten Benediktinermönchen das Kloster Millstatt übergeben. Als Vogt des Klosters Millstatt hatte der Kaiser die Aufhebung desselben durch den Papst erwirkt; die Lage des Klosters war für die Pläne des Kaisers sehr günstig, da Millstatt zwar nicht unmittelbar der Türkengefahr ausgesetzt war, aber doch für Verteidigung und Gegenangriff strategisch gut positioniert war. Für eine effiziente Abwehr der Türken wurde dem Orden auch die Burg Rechberg übergeben, wo der Orden Befestigungsanlagen errichtete, um Einfälle der vom Seebergsattel kommenden Türken nach Kärnten zu verhindern. Wegen der geringen Mitgliederzahl konnte der Orden die Erwartungen des Kaisers nicht erfüllen.

Große Besitzungen wurden durch Friedrich III. dem Orden übergeben oder in Aussicht gestellt. So kam der Orden in den Besitz der Propstei Maria Wörth, der Herrschaft Pürgg im Ennstal und der Herrschaft Sankt Lorenzen im Mürztal. Zeitweise besaß der Orden auch die Herrschaft Sternberg und Landskron wie auch die Stadtpfarre Bozen, außerdem erwarb der Orden Besitzungen in Wien und in Niederösterreich. Die Übernahme der Zisterzienserabtei Viktring scheiterte am entschiedenen Widerstand der Kärntner Landstände und des Erzbischofs von Salzburg. In Wiener Neustadt übergab Kaiser Friedrich III. dem Orden die vom Baumeister Peter Pusica um 1450 errichtete Kirche in der Burg, die ursprünglich ein Marienpatrozinium hatte, nun aber dem hl. Georg geweiht wurde. Johann Siebenhirter renovierte nicht nur die desolaten Gebäude des Klosters, sondern erweiterte die Anlage zu einem repräsentativen Sitz des Ordenshochmeisters und errichtete Befestigungsanlagen, die umherstreifenden Türken widerstehen konnten. Mit seinem Namen sind auch zahlreiche Kunstwerke verbunden, die er für sich oder für den Orden in Auftrag gab, wie sein, mit zahlreichen Miniaturen versehenen Gebetbuch (Königliche Bibliothek Stockholm), das großartige, reich geschmückte Antiphonar (Universitätsbibliothek Graz), wertvolle Inkunabeln (ebenfalls Universitätsbibliothek Graz) sowie zahlreiche spätgotische Flügelaltare, die er für Millstatt oder für zu Millstatt gehörende Kirchen in Auftrag gab. Heute noch erhalten sind die Flügelaltare von Lieseregg und von der Katharinenkapelle in Bad Kleinkirchheim. Im Kapuzinerkloster zu Wiener Neustadt befindet sich ein Tafelbild mit der Kreuzabnahme Christi, das vermutlich von Siebenhirter für die Georgskirche in der Burg gestiftet worden war.

Von Meister Thomas von Villach stammt ein Tafelbild, den hl. Domitian darstellend, ursprünglich Teil eines Flügelaltares in der Stiftskirche Millstatt (heute im Museum der Stadt Villach) und gemeinsam mit seiner Schule schuf er die Fresken beim Friedhofsportal und im Kreuzgang.  Vermutlich gehen auch die Fresken desselben Meisters in der Kirche von Gerlamoos, deren Thema Szenen der Georgslegende sind, ebenfalls auf einen Auftrag Siebenhirters zurück. Der Orden hatte im Bereich dieser Kirche Besitzungen (Lengholz).

Zur Zeit Johann Siebenhirters kamen auch die Brauttruhen der Paola Gonzaga nach Millstatt. Sie hatte den letzten Grafen von Görz Leonhard geheiratet, starb aber 1495 ohne Nachkommen (ein Mädchen war schon früh verstorben). Leonhard übergab vier nach Entwürfen des Andrea Mantegna geschaffene Truhen dem St. Georgs-Ritterorden. Zwei Truhen mit Elfenbeinreliefs befinden sich im Dom zu Graz, Stuckreliefs von zwei vergoldeten Holztruhen befinden sich im Landesmuseum Kärnten und in Millstatt blieb eine dieser Truhen erhalten; sie wird im Stiftsmuseum aufbewahrt. Die enge Verbundenheit des Kaisers mit dem von ihm gegründeten Orden zeigte sich auch darin, das er in den Gewändern des Ordens beigesetzt werden wollte.

An seinem Grabmal im Stephansdom in Wien wird in mehreren Szenen auf den St. Georgs-Ritterorden Bezug genommen und am Epitaph mit der Darstellung des Kaisers und den Wappen seiner Länder kommt dem Wappen des Ordens ein besonderer Rang zu.

Im Nachfolger Kaiser Maximilian I. erstand dem Orden ein besonderer Förderer, der bis zu seinem Tode dem Orden engstens verbunden blieb und sich für den Orden unmittelbar verantwortlich fühlte. Diese Verbundenheit hängt auch mit der besonderen Verehrung des Heiligen Georg zusammen, dessen Namen Maximilian I. eigentlich tragen sollte und der Maximilian zeitlebens begleitenden Idee, die Türkengefahr zu bannen.

St. Georgs-Bruderschaft:

Da der Kaiser feststellen musste, dass der Orden relativ wenige Mitglieder hatte und daher nicht in der Lage war, ernsthaft den Kampf mit den Türken aufzunehmen, gründete Maximilian I. schon kurz nach dem Tod seines Vaters am 17.  September 1493 in Innsbruck die St. Georgs-Bruderschaft. Gedacht war an eine weltliche Bruderschaft, die aber dem Orden angegliedert sein sollte, und deren Mitglieder durch Spenden oder auch durch Beteiligung am Kampf gegen die Türken diesen tatkräftig unterstützen sollten. Mit ihrer Hilfe sollte in Rann an der Save (heute Brežice in Slowenien) eine Festung mit einer Besatzung von 2000 bis 3000 Mann errichtet werden. Als zusätzlichen Anreiz sollten die Mitglieder eine Reihe von Privilegien erhalten. Am 28. Oktober 1494 nahm der Kaiser selbst in der Kathedrale von Antwerpen gemeinsam mit seiner ganzen Familie und zahlreichen Reichsfürsten die Mitgliedschaft der St. Georgs-Bruderschaft an. Auch der damaligen Papst Alexander VI. und zahlreiche Kardinäle wurden Mitglieder dieser Bruderschaft. Am 15. November 1494 richtete Maximilian I. einen Appell an alle christlichen Könige und Fürsten sowie an die gesamte Christenheit, der Bruderschaft beizutreten und einen vom Kaiser für das darauffolgende Jahr geplanten Türkenfeldzug zu unterstützen, ohne jedoch viel Interesse zu finden.

Den Rittern, die an diesem Feldzug teilnehmen würden, verlieh er das Privileg, in ihrem Wappen eine Krone zu führen und schuf damit den Stand der „gekrönten Ritter“. Aufgrund der zahlreichen Auseinandersetzungen mit Frankreich und Venedig kam es nicht zu dem geplanten Feldzug.

St. Georgs-Gesellschaft:

1503 erneuerte der Kaiser seinen Appell zur Unterstützung des Kampfes gegen die Türken und schuf zusätzlich die St. Georgs-Gesellschaft. Die vom Kaiser erhoffte breite Zustimmung trat auch diesmal nicht ein. Bei der Kaiserproklamation Maximilians im Dom von Trient am 4. Februar 1508 kam den anwesenden Georgsrittern die Aufgabe zu, Maximilian formell zur Annahme dieser Würde aufzufordern. Am 10. Oktober desselben Jahres starb der Hochmeister Johann Siebenhirter und wurde in der Stiftskirche zu Millstatt beigesetzt. Sein Epitaph befindet sich heute in der seinen Namen tragenden nördlichen Seitenkapelle. Als Nachfolger wurde Johann Geumann gewählt, der wie sein Vorgänger in einer engen Beziehung zum Kaiser stand und von Maximilian I. später als Testamentsvollstrecker erwählt wurde. Geumann wurde vom Kaiser aber nur als Verweser des Hochmeisteramtes bestätigt, erst am 25. März 1518, also fast zehn Jahre später wurde er in einer feierlichen Zeremonie unter Beteiligung von Vertretern mehrerer Herrscherhäuser in Hall/Tirol als Hochmeister eingesetzt.

Vermutlich trug sich Maximilian lange mit dem Gedanken, selbst die Würde eines Hochmeisters zu übernehmen, so wie er als Herzog von Burgund an der Spitze des Ordens vom Goldenen Vlies stand, bis er diese Würde an seinen Sohn Philipp abgeben musste. Eine besondere Rolle kam dem St. Georgs-Ritterorden in den Testamentsentwürfen Maximilians zu. Der Kaiser plante sein Grabmonument als eine Art Gralsburg am Falkenstein bei St. Wolfgang. Dort sollten auch die ehernen Statuen seiner Vorfahren aufgestellt werden, die er in Innsbruck gießen ließ (siehe Grabmal Kaiser Maximilians I.). Die Grabwache sollten die Mitglieder des St. Georgs-Ritterordens übernehmen. Diese Pläne wurden durch den Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach durchkreuzt und kurz vor seinem am 12. Januar 1519 erfolgten Tod verfügte der Kaiser, dass sein Leichnam in der Georgskirche von Wiener Neustadt unter den Altarstufen beigesetzt werden sollte. Die Grabwache sollte dem St. Georgs- Ritterorden obliegen, der diese Aufgabe auch wahrnahm, solange er dazu in der Lage war. Ferner bestimmte der Kaiser, dass sein Leichnam in den Gewändern des Ordens aufgebahrt und beim Katafalk die Insignien dieses Ordens aufgestellt werden sollen.

Niedergang und Ende des Ordens:

Mit dem Tode Kaiser Maximilians verlor der Orden seine Bedeutung. Kaiser Karl V. und sein Bruder Ferdinand I. hatten kein Interesse an dem Orden, zumal es diesem nie gelungen war, die mit seiner Gründung verbundenen Aufgaben bei der Bekämpfung der Türken zu erfüllen. Die Anzahl der Mitglieder schrumpfte, etliche Mitglieder schlossen sich der Reformation an und die Disziplin ließ immer mehr nach, sodass die Ordensmitglieder in Millstatt wie in Wiener Neustadt und an den anderen Standorten des Ordens wachsendes Ärgernis erregten. Johann Geumann hatte durch eine rege Bautätigkeit in Millstatt und sein Wirken im Umfeld des Kaisers dem Orden noch Glanz vermittelt. Zu seiner Zeit stiftete der dem Orden nahestehende Augustinus Reinwald das großartige Weltgerichtsfresko, das vermutlich von Urban Görtschacher nach 1519 geschaffen wurde. Geumann starb 1536 und wurde ebenfalls in der Stiftskirche zu Millstatt beigesetzt; sein Epitaph steht heute in der südlichen Seitenkapelle, die seinen Namen trägt. Sein Nachfolger wurde Wolfgang Prandtner, der Diplomat im kaiserlichen Dienst war und sich wenig um den Orden kümmern konnte. Er starb 1541 an der Pest und wurde in Trautmannsdorf bei Wiener Neustadt beigesetzt. Es kam zu keiner Wahl eines neuen Hochmeisters, der Besitz des Ordens wurde teilweise verpfändet, die Verwaltung von kaiserlichen Kommissaren wahrgenommen. Ab 1573 wurden die Erträge in wachsendem Ausmaß für das neugegründete Jesuitenkolleg in Graz verwendet und schließlich 1598 der gesamte Besitz diesem Kolleg und der Jesuitenuniversität in Graz übergeben. Eine formale Aufhebung des Ordens ist schriftlich nicht nachweisbar. Möglicherweise wurde diese doch recht bürokratisch aufwändige Maßnahme unterlassen, da keine Ordensritter mehr namhaft waren.

Die Zeit von 1600 bis 1918:

Über die weitere Entwicklung des offenbar weit zerstreuten Ordens liegt wenig vor, es ist weder ein Dokument über eine Aufhebung des Ordens noch über eine spätere Neu- oder Wiedergründung bekannt.

Eine Sonderstellung nimmt die Erwähnung der Georgsritter im Österreichischen Ordenshandbuch von Roman von Procházka ein: „anknüpfende Neugründung einer Rittergesellschaft im 18. Jahrhundert, die in Wien und dann bis 1838 in Bayern, seither in Rom ihren Sitz hat. Das Priorat in Österreich ist 1848 von Kaiser Franz Josef I. und 1917 von Kaiser Karl I. bestätigt worden.“. Dokumente über diese barocke Neugründung existieren keine, auch die Bestätigung von 1848 ist nicht belegbar.

Anders die Bestätigung des Ordens durch Karl I., welche umständehalber zwar nur mündlich erfolgte, jedoch durch mehrere Zeugen belegt ist. Versammlungsort dieser der höfischen Mode des Spätmittelalters folgenden kurzlebigen Gesellschaft war anfangs die Georgskapelle im Augustinerkloster in der Hofburg.

Auffällig ist, dass der Ursprung des römischen Ordenszweiges (die Italienische Zunge) ebenfalls nicht urkundlich belegt ist, der Orden jedoch den Namen Imperiale Ordine Militare Capitolare Di S. Giorgio In Carinzia führt und von einem Großmeister geleitet wurde.

Quelle: Wikipedia St. Georgs Orden